Motel-One-Kette plant am Bremer Leffers-Standort

Hotel-Boom erreicht den Brill

 

Bremen. Leffers am Brill, das hatte mal einen Klang in Bremen. Doch seitdem das Textilkaufhaus vor gut fünf Jahren schließen musste, tut sich an dem Standort nichts mehr. Jetzt könnte er neu belebt werden, denn es gibt Pläne, dort ein Hotel zu errichten. Gut fürs Stephaniviertel, das jeden neuen Anstoß gebrauchen kann und interessant für eine Branche, die in Bremen gerade einen Boom erlebt.

 

Wie das Bauressort am Dienstag bestätigte, laufen zurzeit Gespräche mit der Hotelkette Motel One, die schon lange Interesse zeigt, sich in Bremen zu etablieren. Das Unternehmen ist erst vier Jahre alt und bewirtschaftet bereits 36 Hotels mit insgesamt 7000 Zimmern. Die Häuser liegen in den Städten zumeist sehr citynah, so wie es auch in Bremen wäre, falls Motel One sich für den Platz am Brill entscheiden sollte.

 

Eine Zeitlang hieß es, der Kaufvertrag sei bereits unterschrieben. Doch offenbar hakt es noch. Der Investor hat auf dem alten Leffers-Grundstück zunächst einmal Bodenproben entnommen, wohl um Klarheit zu bekommen, ob eine Tiefgarage gebaut werden kann. Außerdem wird die Stadt an so exponierter Stelle zwischen City und Stephaniviertel ein gewichtiges Wort mitreden wollen, wenn es um die bauliche Gestaltung des Hotels geht. Dem Vernehmen nach soll das Leffers-Haus abgerissen werden.

  

Anders der Plan, als vor zwei Jahren ein Investor auftauchte, der ein Gesundheitszentrum gründen und dafür das Leffersgebäude lediglich umbauen wollte. Die Rede war von einer 15-Millionen-Euro-Investition, von 15 Facharztpraxen, medizinischen Geschäften und einer Apotheke. Doch bei diesen Ankündigungen blieb es dann auch, der Investor zog sich zurück und die Hoffnung zerstob, dass im Stephaniviertel nach Radio Bremen und der Volkshochschule am einen Ende nun auch am anderen etwas geschaffen wird, das Frequenz bringt.

 

Modernes Design und niedrige Preise

Nun soll es mit dem Hotel gelingen, falls die Pläne denn Wirklichkeit werden. Motel One zielt auf ein Publikum, das auf modernes Design wert legt, auf niedrige Preise und einen ausgeprägten Service für Internetnutzer. Die Übernachtungstarife beginnen bei 49 Euro für das Einzelzimmer. Das Klientel sind vor allem Geschäftsreisende und Städtetouristen. Motel One selbst wollte sich am Dienstag zu den Plänen nicht äußern und hat sehr brüsk reagiert, als angefragt wurde.

 

Motel One gehört zu einer Gattung von Hotels, die in Bremen mehr und mehr Raum greift. Begonnen hatte die Entwicklung vor zweieinhalb Jahren mit dem Prizeotel an der Theodor-Heuss-Allee. Das 127-Zimmer-Haus hat sieben Millionen Euro gekostet und wurde von einer Investorengemeinschaft aus Bremen finanziert. Gebaut wurde es von der Weser-Wohnbau, die mit ihrem Gesellschafter Matthias Zimmermann auch zu den Betreibern gehört.

  

Marco Nussbaum, Zimmermanns Partner und Geschäftsführer des Hotels, sprach stets davon, mit Prizeotel expandieren zu wollen, und jetzt ist es offenbar so weit, allerdings nicht in Bremen: "Wir stehen kurz vor dem Vertragsabschluss", sagte Nussbaum auf Anfrage, "es werden Häuser in zwei norddeutschen Großstädten sein."

 

Prizeotel, wie Motel One ein designorientiertes und preiswertes Zwei-Sterne-Haus, hat mit seinem Konzept offenbar Erfolg. So wie viele andere Hotels in der Hansestadt auch. Nach Zahlen des Statistischen Landesamtes hat es in Bremen im ersten Halbjahr 2011 mit einem Zuwachs von zehn Prozent und einer absoluten Zahl von annähernd 900000 noch nie so viele Hotelübernachtungen gegeben. Maßstab ist der Vergleichszeitraum der Vorjahre.

 

"Massiver Preiskampf"

"Das ist aber nur die halbe Wahrheit", meint Marco Nussbaum, "denn am Ende des Monats bringe ich als Hotelier schließlich nicht die Übernachtungen zur Bank, sondern den Umsatz." Nussbaum spricht von einem massiven Preiskampf insbesondere der Häuser mit vier oder fünf Sternen. Beredtes Beispiel ist aber auch ein Hotel am Rand der Stadt, der Hansahof in Hemelingen. Dort gab es in den ersten drei Monaten zwar deutlich mehr Gäste, wie der Inhaber mitteilte. Gleichzeitig verringerte sich wegen der gesunkenen Zimmerpreise aber der Umsatz.

  

Die Zahl der Hotels in Bremen steuert auf 90 zu, und jedes Jahr werden es mehr. Zum Vergleich: Im Jahr 2002 waren es noch 66. In Findorff entsteht demnächst ein Hotel der französischen Kette B&B Hotels, ebenfalls ein so genanntes Low-Budget-Haus. Etwas höher hinaus mit den Preisen will das Steigenberger-Hotel, das am Weser-Tower geplant ist. Und auch im avisierten Neubau auf dem Bahnhofsvorplatz wird ein Hotel untergebracht.

 

Ein Boom, von dem jetzt auch die Stadt profitieren will. Der Senat hat eine Bettensteuer beschlossen, sie soll Anfang kommendes Jahres in Kraft treten und wird Millionen in die Kassen spülen.

 

Quelle: Weser Kurier vom 26.10.2011, Autor Jürgen Hinrichs

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