Menschenwürdige Arbeit

Konvention soll Rechte von Hausangestellten stärken

Bremen, 15.11.2011

 

Sie sind die „unsichtbaren“ Beschäftigten. Sie arbeiten in fremden Haushalten als Dienstmädchen, Putzhilfen, Babysitter – isoliert und oftmals ohne rechtliche Absicherung. Das soll sich nun ändern. Nach zweijährigen Verhandlungen hat die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) im Sommer eine Konvention „Menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte“ verabschiedet. Die muss von den 183 Unterzeichnerländern allerdings noch in geltendes Recht umgesetzt werden. Nach ILO-Schätzungen gibt es weltweit rund 100 Millionen Hausangestellte. „In vielen Ländern genießen diese Beschäftigten – fast ausnahmslos Frauen und Mädchen – keinen Schutz, sie sind rechtlos, unterbezahlt und ihren Arbeitgebern ausgeliefert“, stellt Karin Pape vom Global Labour Institute in Genf fest.


In Europa seien die Verhältnisse weniger dramatisch, meint Margareta Steinrücke, Referentin bei der Arbeitnehmerkammer Bremen. „Trotzdem arbeiten auch hier die Hausangestellten meist ohne Arbeitsvertrag, zu niedrigen Löhnen, ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, ohne bezahlten Urlaub und ohne Rentenansprüche.“
 

Mit der ILO-Konvention würden Hausangestellte „international erstmals als Arbeitnehmerinnen mit definierten Rechten anerkannt und damit anderen Beschäftigten gleichgestellt“, sagt Karin Pape. Ob das passiert, bleibt den Mitgliedsländern der ILO überlassen. Die Parlamente müssen über die Konvention noch abstimmen und sie in nationales Recht umsetzen. Damit würden dann auch für Beschäftigte in Haushalten feste Arbeitszeiten, Urlaubs- und Pausenregelungen gelten, so Pape. Nach ILO-Schätzungen macht Hausarbeit in Entwicklungsländern fünf bis zehn Prozent der Gesamtbeschäftigung aus, in Industrieländern zwischen zwei und vier Prozent.


Die wachsende Kluft der Einkommensmöglichkeiten zwischen den Ländern habe eine grenzüberschreitende Wanderungsbewegung ausgelöst, erläutert Eva Senghaas-
Knobloch, Professorin für Arbeitswissenschaft an der Uni Bremen. „Die Ungleichheit der sozialen Verhältnisse gibt der jeweils bestausgestatteten Schicht die Chance, aus den schlecht bemittelten Schichten Kräfte für häusliche Dienstleistungen anzustellen.“ So kämen beispielsweise Frauen aus den Philippinen in die USA, äthiopische Mädchen in die arabischen Golfstaaten, indonesische Frauen in den Libanon, Rumäninnen nach Italien oder Polinnen nach Deutschland.


Mit zunehmender Frauenerwerbstätigkeit und weiterer Flexibilisierung der Arbeitszeit wachse auch in Deutschland der Bedarf an Haushaltshilfen, sagt Margareta Steinrücke. In Bremen seien nach Schätzungen zwischen 10000 und 14000 Menschen in diesem Sektor beschäftigt. Genauere Angaben seien schwer möglich, weil in Deutschland 95 Prozent der bezahlten Hausarbeit als Schwarzarbeit erbracht werde – und das sogar häufig auf Wunsch der Beschäftigten. Für viele sei ein nicht registrierter Job – nicht zuletzt wegen der kostenlosen Mitversicherung der Ehefrau in der Krankenkasse des Mannes – finanziell einfach attraktiver. Bei anderen seien die Hinzuverdienstgrenze von 160 Euro bei Hartz-IV-Bezug, die 400-Euro-Grenze für sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse oder auch eine fehlende Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis Hindernisse für eine reguläre Beschäftigung.


Um für Probleme von Hausangestellten in Deutschland Lösungen zu entwickeln, wurde in Bremen vor drei Jahren der Runde Tisch Hausangestellte unter Beteiligung der Arbeitnehmerkammer und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten gegründet. Eine der Ideen des Runden Tisches ist etwa die Entwicklung eines Genossenschaftsmodells für Hausarbeit und der Aufbau einer Beratungsstelle für Hausarbeiterinnen ohne Papiere.

 

Quelle: Weser Kurier, 15.11.2011, Autorin: Petra Sigge

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