Bericht beim NDR-Fernsehen vom 12.01.2011

Krabbenschälzentrum Cuxhaven ist pleite.

Europas größtes maschinelles Krabbenschälzentrum in Cuxhaven beantragt Insolvenz

Ausgepult

Cuxhaven. Europas nach eigenen Angaben größtes maschinelles Krabbenschälzentrum ist nach unüberwindlichen Startschwierigkeiten am Ende. Eine Sprecherin des Amtsgerichts Cuxhaven bestätigte gestern, dass die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt wurde. Gregor Kucharewicz, angestellter Geschäftsführer der Krabbenschälzentrum GmbH, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Offenbar stimmt es, was Mitarbeiter benachbarter Unternehmen im neuen Fischereihafen beobachtet haben: Sämtliche Maschinen sind aus der Halle geräumt. Auch das Telefon ist abgeklemmt.


Bereits am Dreikönigstag sollen sämtliche Gerätschaften der Firma aus der früheren Fischhalle 12 abtransportiert worden sein – angeblich untergestellt bei einem anderen
Unternehmen. Das Munkeln darüber hat auch Christian Wechselbaum vernommen. Der Bremer Sekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) geht davon aus, dass „der ganze Betrieb über Nacht quasi aufgelöst wurde“. Wechselbaum fordert Geschäftsführer Kucharewicz „dringend auf offenzulegen, wie es jetzt weitergehen soll und seine Mitarbeiter zu bezahlen.“ Was die Auszahlung der Löhne betrifft, hat der Gewerkschaftssekretär seine Befürchtungen: Mitte Dezember hatten mehrere der 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor dem Arbeitsgericht Stade Klagen gegen die Krabbenschälzentrum GmbH gewonnen. Dabei ging es um Entgelte für Überstunden, Wochenendarbeit und Lohnzahlungsforderungen von teils mehreren Tausend Euro. Und das, obwohl das Unternehmen seinen Betrieb erst im Juli aufgenommen hatte.


Gerichtsentscheidung steht aus
Anfang Dezember hatte Kucharewicz die Zahl der Schälmaschinen auf sechs verdoppeln wollen. Was daraus wurde, ob zuletzt drei oder sechs der jeweils rund 100000 Euro teuren Apparaturen in der Halle gestanden haben, ist unklar. Fest steht lediglich, dass nach dem Stader Arbeitsgerichtstermin Betriebsferien begannen und die Arbeit
seither nicht wieder aufgenommen wurde. Ob das beantragte Insolvenzverfahren eröffnet wird, stellt das Amtsgericht Cuxhaven voraussichtlich noch diese Woche fest. Gestern stand die richterliche Entscheidung noch aus. Anfang kommender Woche hofft Dennis Westphal, Näheres zu wissen. „Es wird ganz eng daran gearbeitet, dass es weitergeht“, sagt der Geschäftsführer der Fischereigenossenschaft Fedderwardersiel, die Garnelen aus dem Fang ihrer Kutter in Cuxhaven schälen ließ.


„Wir haben sehr gut zusammengearbeitet“, sagt Westphal. Wer genau das ist, der da an der Zukunft des Krabbenschälzentrums arbeitet, lässt er im Dunkeln. „Letztendlich sind alle von diesem Produkt begeistert. Das große Manko war, dass Maschinen nicht geliefert wurden.“ Er glaube, dass es am selben Standort weitergehen werde. Von Beginn an, so schien es, war der Wurm in der Unternehmung Krabbenschälzentrum, schon die ersten Maschinen wurden mit deutlicher Verzögerung geliefert. Zum Schluss dürfte die Miete für die knapp 3000 Quadratmeter große Produktionshalle der landeseigenen Hafengesellschft N-Ports ein Problem gewesen sein. Nach Angaben von Geschäftsführer Gregor Kucharewicz, die er Ende November machte, wurde täglich eine Tonne Krabben im Mehrschichtbetrieb verarbeitet. Die Halle war auf bis zu zehn Tonnen ausgelegt – mit Platz für bis zu 24 Maschinen und vor allem für 60 Arbeitsplätze.

 

Dennis Westphal von der Fischereigenossenschaft war und ist begeistert davon, „dass die Qualität stimmte“, auch wenn der Preis deutlich höher ausfiel als fürs Garnelenpulen
in Marokko und Polen. „Sauber in Deutschland produziert, ohne lange Wege.“ Westphal glaubt, das werde der Kunde honorieren. Die Krabbenschälzentrum GmbH habe, weiß NGG-Sekretär Wechselbaum, „sofern gezahlt wurde“, ohnehin nur 8,50 pro Stunde gezahlt. „28 Prozent weniger als der Flächentarif der Fischwirtschaft Cuxhaven vorsieht“, sagt Christian Wechselbaum.


Die Gesellschafter haben nach Angaben von Kucharewicz knapp vier Millionen Euro investiert – 20 Prozent stammten aus EU-Förderung. Bund und Land zahlten ebenso dazu. Das niedersächsische Wirtschaftsministerium forderte nach Angaben von Sprecherin Silke Schaar bereits vor einem Jahr „einen sechsstelligen Betrag zurück“. Der Anforderungskatalog sei nicht erfüllt worden, was Fristen und vor allem die versprochenen Arbeitsplätze betrifft.

 

Dokumentiert aus dem Weser Kurier vom 13.01.2011, Autor: Justus Randt

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