Unveröffentlichter Leserbrief an den Weser-Kurier

Arbeitsbedingungen während der Bremer Eiswettfeier im Maritim Hotel

Artikel auf www.weser-kurier.de zur Eiswettfeier.

 

Im Folgenden dokumentieren wir hier einen Leserbrief an den Weser Kurier zu den Arbeitsbedingungen der Beschäftigten während der Bremer Eiswettfeier. Im Weser Kurier wurde der Artikel nicht veröffentlicht, was wir hier mit Genehmigung des Autors ersatzweise nachholen.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

in eurem Artikel über die Eiswette die am Samstag im CCB des Maritim Hotels Bremen stattfand ist alles eitel Sonnenschein. Alle Gäste wurden gut unterhalten, es wurde Kontaktpflege betrieben, Spendengelder in Hülle und Fülle.


Vielleicht solltet ihr euch auch mal mit dem Dingen befassen die dahinter abgehen. Ich weiß nicht ob euch das interessiert aber da sehen die Dinge nicht ganz so rosig aus. Ihnen wird ja nicht entgangen sein, daß zwischen den Hauptakten des Abendprogrammes sehr viel Servicepersonal zwischen den Tischen unterwegs war. Die Kellnerinnen und Kellner die sich nach Kräften für das Wohl der Gäste eingesetzt haben. Ist Ihnen aber auch bekannt, daß die meisten der Kellner von Zeitarbeitsfirmen kurzfristig eingesetzt wurden? Und welch bescheidene Entlohnung sie idR dafür bekommen? Die wenigen Festangestellten des Hauses Maritim sind häufig nicht besser dran. Aber sie haben im Hause einen Vorteil. Sie sind halt vertraglich abgesichert, mit allem was dazu gehört.


Auf der Eiswette ist es Tradition gut zu spenden. Selbst für die Kellner. Für die geht am Ende der Veranstaltung ein Teller auf jeden Tisch. Und die Gäste waren auch hier großzügig. Ich war an diesem Abend selbst als Kellner unterwegs und habe die Großzügigkeit der Gäste mit eigenen Augen gesehen. Sie dankten uns im Anschluß auch für unseren guten Service.


Jetzt habe ich aber das Pech nicht im Hause Maritim angestellt zu sein sondern über eine Zeitarbeitsfirma zu kommen. Das Resultat? Wir Zeitarbeiter sahen von den großzügigen Trinkgeldern nicht einen einzigen Cent. Daraufhin angesprochen antwortete die zuständige Oberkellnerin und Mit-Bankettleiterin ganz lapidar "Ihr werdet schon teuer bezahlt!". Auf einer Veranstaltung dieser Art ist es Brauch, daß alle Trinkgelder zusammen gesammelt und auf alles Personal des Abends aufgeteilt wird. Das schließt auch die Köche und das Spülpersonal im Hintergrund ein, was ja auch nur Recht und Fair ist. Im Maritim scheint man davon aber noch nichts gehört zu haben. Dort hat sich offenbar eine Zwei Klassen Gesellschaft etabliert die zum Himmel schreit.


Nur mal so am Rande. Einige der Festangestellten schwärmten mir an diesem Abend noch vor daß alle Angestellten sich um die Arbeit auf der Eiswette reißen, weil es danach im Schnitt 60-80 Euro Trinkgeld für jeden gibt.


Nur offenbar nicht für uns mit 8 Euro die Stunde und weniger "teuer bezahlten" Zeitarbeitern. Wir müssen ja offenbar eh im Geld schwimmen. Daß einige von uns zwei oder drei Jobs haben oder auch studieren und sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen müssen und teilweise wie mein Wenigkeit von weit weniger als ein Hartz4 Empfänger über die Runden kommen müssen interessiert in diesem Zusammenhang wohl keinen. Auch von den Lohnausfällen im Krankheitsfall, den Reisekosten für von außerhalb angereistes Personal usw. hat dort offenbar noch niemand etwas gehört.


Ohne uns hätte das Maritim die Eiswette nicht ausrichten können. Und sie werden- obwohl das reine Spekulation ist -auch sehr gut an dieser verdient haben. Das Haus wie das feste Personal. Die einzigen die an diesem Abend sehr dumm aus der Wäsche schauen sind wir Zeitarbeiter. Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter auf das Elend der Zeitarbeit eingehen obwohl ich wohl lange darüber referieren könnte. Ich wäre nur dankbar wenn irgendwer darauf aufmerksam macht, daß nicht alles Eitel Sonnenschein ist in der schönen Welt des Veranstaltungsgeschäfts....
 

Patrick Biermann, 17.1.2011

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