NGG-Chef strikt gegen neue Sparwelle

Kraft Foods: „Nicht auf Kosten der Beschäftigten“

Franz-Josef Möllenberg, NGG-Vorsitzender

(Quelle: Weser Kurier vom 20.01.2010, Autorin: Annemarie Struß von Poellnitz)

 

Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) und Mitglied im Aufsichtsrat von Kraft Foods, begrüßt den Kauf von Cadbury, befürchtet aber weiteren Druck auf die Arbeitnehmer. Mit ihm sprach Annemarie Struß-von Poellnitz.


Kraft Foods ist am Ziel und kann Cadbury übernehmen. Ist das für die Beschäftigten eine gute oder eine schlechte Nachricht?
Franz-Josef Möllenberg: Zunächst einmal ist das gut für das globale Unternehmen. Auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es gut, dass diese Verhandlungen, die sich über ein halbes Jahr hingezogen haben, jetzt zu einem Abschluss gekommen sind. Kraft muss allerdings jetzt über eine Milliarde Euro mehr zahlen als ursprünglich geplant.


Ist dieser Preis für Cadbury zu hoch?
Ich glaube, dass das Angebot, das Kraft zuletzt gemacht hatte, ein ordentliches Angebot war. Da man Cadbury unbedingt haben wollte, ist Kraft bereit, eine Milliarde mehr zu zahlen. Für die langfristige Strategie ist dieser Zusammenschluss zweifellos richtig, um die Marktstellung gegenüber den anderen großen Konzernen auszubauen. Aber ich warne davor, das die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Cadbury oder bei Kraft bezahlen zu lassen. Es gibt bereits ein Sparprogramm, das auch Deutschland betrifft. In Bremen sollen etwa 120 Stellen abgebaut werden. Es ist möglich, dass jetzt der Druck aus der Zentrale in Chicago erneut erhöht wird. Denn irgendwie muss der Cadbury-Deal ja finanziert werden. Wir haben das in anderen Unternehmen erlebt, etwa bei Beck’s. Die Zinsen für diese Milliardengeschäfte müssen erwirtschaftet werden, deshalb wird der Druck auf die Beschäftigten erhöht.
 

Das befürchten Sie für Kraft jetzt auch?
Ja. Aber ich sage sehr deutlich: Wir werden uns sowohl in Deutschland als auch in Europa und in unserer globalen Organisation dagegenstellen.


Wächst jetzt eigentlich die Gefahr, dass Kraft sich aus Kostengründen von seiner attraktiven Immobilie in der Langemarckstraße trennt und am Standort Bremen weitere Arbeitsplätze einspart?
Ich möchte mich an solchen Spekulationen nicht beteiligen, und wenn das Unternehmen überzeugende Konzepte darlegt, werden wir uns dem nicht verschließen. Wichtig ist für uns, dass die Beschäftigten, die in Bremen Brot und Arbeit haben, sei es in der Produktion in Hemelingen oder in der Verwaltung in der Langemarckstraße, hier auch weiter arbeiten können und man sie nicht nach Hause schickt oder ihnen anbietet, an einen anderen Standort zu wechseln, in der Hoffnung, dass sie dann nicht mitgehen. Wir werden alles versuchen, um
dagegenzuhalten.


Dennoch: Cadbury hat eigene Strukturen für Verwaltung, für die Verteilung von Waren, für die EDV. Da sind etliche Synergien denkbar.
Wir haben bei Kraft in Bremen die Region Deutschland, Österreich und Schweiz zusammengefasst. Ich glaube, auch Kraft kann das Geschäft nicht einfach global steuern. Man muss die Eigenheiten der regionalen Märkte kennen. Kraft ist mit seinen Produkten sehr stark, von Jacobs Kaffee über Milka-Schokolade und Miracel Whip bis zu Miracoli und Philadelphia. Da ist es wichtig, die Kundenwünsche und die Handelsstrukturen zu kennen. Das kann man nicht von Großbritannien aus machen. Wir sagen ja nicht einfach, wir wollen das nicht. Wir haben gute Argumente, die im Markt begründet sind.

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