Offene Lehrstellen

"Die Antwort heißt gute Ausbildung"

Auch in Großküchen und Restaurants gilt: Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt.

 

Nach einem noch unveröffentlichten Bericht der Bundesregierung und Schätzungen der deutschen Wirtschaft blieben in 2011 rund 75.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Besonders betroffen sind das Gastgewerbe und das Lebensmittelhandwerk, hier blieben Lehrstellen gleich reihenweise „leer“. So soll zum Beispiel im Jahr 2011 bundesweit jede vierte Ausbildungsstelle (25,8 Prozent) für Restaurantfachleute unbesetzt geblieben sein. Der Grund ist einfach: Sinkende Schulabgängerzahlen machen es heute möglich, dass viele potenzielle Auszubildende frei wählen können, welche Ausbildung sie wo machen wollen. Für die Auszubildenden ist das erfreulich, endlich haben auch jene mit schlechteren Noten Chancen, eine passende Lehrstelle zu finden. Die betroffenen Branchen fürchten dagegen einen Mangel an ausgebildeten Fachkräften.

 

Abstimmung mit den Füßen

 

Michaela Rosenberger, stellvertretende Vorsitzende der NGG: „Was wir jetzt erleben, ist die Abstimmung mit den Füßen über gute und schlechte Ausbildung.“ Richtig, es klagen gerade jene Branchen über fehlende Auszubildende, deren Ausbildungsqualität von den Jugendlichen als besonders schlecht angesehen wird: Seit Jahren belegen branchentypische Ausbildungen des Gastgewerbes und des Lebensmittelhandwerks regelmäßig die letzten Plätze im DGB-Ausbildungsreport. Anhand verschiedener Kriterien wie Bezahlung, Anzahl der geleisteten Überstunden, Betriebsklima usw. bewerten hier Auszubildende die Qualität ihrer Ausbildung. Im Jahr 2011 waren die letzten drei Plätze bezeichnenderweise wie folgt verteilt:

 

23. Platz: Fachverkäufer/in im Lebensmitteleinzelhandel
24. Platz: Restaurantfachmann/-frau
25. Platz: Hotelfachmann/-frau

 

Dem drohenden Fachkräftemangel können die Branchen nur begegnen, wenn sich die Qualität der Ausbildung und die Arbeitsbedingungen dauerhaft verbessern. Rosenberger: „Nur wer attraktive Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen schafft, wird auch in Zukunft gute Chancen haben, den jeweiligen Fachkräftemangel zu decken. Die Antwort auf offene Lehrstellen heißt gute Ausbildung.

 

Qualität spricht sich herum

 

Genauso wie sich Beispiele von Ausbeutung durch den Arbeitgeber oder schlechte Bezahlung unter den Jugendlichen schnell herumsprechen, werden auch positive Beispiele heute schneller denn je bekannt. Das Internet und die sozialen Netzwerke spielen dabei eine immer größere Rolle: Wer mit seiner Ausbildung zufrieden ist, erzählt es nicht mehr nur Freunden, sondern teilt seine Erfahrungen zunehmend auch „online“. Positiv-, aber auch Negativbeispiele werden so heute viel schneller und weiter bekannt. Natürlich hören sich Jugendliche vor der Wahl des Ausbildungsplatzes um, wie es in der Branche zugeht.

 

Die beste Werbung ist eine gute Ausbildung

 

Die beste Werbung für eine Ausbildung im Gastgewerbe oder dem Lebensmittelhandwerk ist gute Ausbildung. Von Branchen, deren Ausbildungsqualität von den Jugendlichen als gut betrachtet wird, hört man kaum Klagen über fehlenden Nachwuchs. Das Gastgewerbe und das Lebensmittelhandwerk haben dringenden Nachholbedarf: Michaela Rosenberger: „Gute Tarifverträge als Grundlage für vernünftige Ausbildungsbedingungen sowie Übernahme und Karrieremöglichkeiten sind die beste Imagekampagne. Die Branchen sind aufgefordert, gemeinsam mit uns die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen deutlich zu verbessern.“ So lange vielerorts Auszubildende als billige Hilfskräfte missbraucht werden, unbezahlte Überstunden, geringe Bezahlung und fehlende Aufstiegschancen oft eher die Regel als Ausnahme sind, werden Gastgewerbe und Lebensmittelhandwerk auch zukünftig Probleme haben, offene Lehrstellen zu besetzen. Im Wettbewerb mit anderen Branchen um die geringer werdende Zahl von Auszubildenden können sie nur bestehen, wenn sich die Ausbildungsbedingungen nachhaltig und flächendeckend verbessern.
 

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